Geschichten zum Nachdenken...


Arthur, der Papagei

Veröffentlicht: 07.12.2011

Papagei

Eine Geschichte - nicht nur für Kinder -

Ein kinderloses Ehepaar wollte nach vielen Jahren gern jemandem seine ganze Liebe und Fürsorge angedeihen lassen. Die Hoffnung auf ein eigenes Kind hatten beide aufgegeben.
Mit einem Adoptivkind hatte es auch nicht geklappt, und so beschlossen sie, sich ein Haustier anzuschaffen. Doch sie konnten sich lange nicht einigen, ob ein Hund, eine Katze, ein Goldhamster, ein Meerschweinchen oder ein Zwergkaninchen das Richtige sei.

Schließlich einigten sie sich doch und kauften einen jungen Papagei. Sie nannten ihn Arthur.
Das Tier gewöhnte sich schnell ein, wurde zahm und seine neuen Eltern hatten viel Zeit für ihn übrig und brachten ihm das Sprechen bei. Arthur war ein fröhlicher Vogel. Seinen Käfig benutzte er kaum, höchstens um zu fressen. Die Käfigtür war immer offen. Er flog in der Wohnung umher, setzte sich ab und an auch auf die Schulter von Vater oder Mutter und wurde so durch die Wohnung getragen oder sogar auf die Straße mitgenommen. Die Leute schauten sich um, schüttelten den Kopf oder lachten, wenn Arthur Gassi getragen wurde. Am meisten regten sich diejenigen Leute über Arthur und seine Eltern auf, die einen Hund hatten. Ein Hund hat das Recht Gassi geführt zu werden, aber ein Papagei, nein, das ging zu weit und sie hielten ihre Hunde an der Leine. Und dann schrie dieser bunte Vogel ihnen noch zu "Schönen guten Abend" oder "Schweinehund", wenn einer der Hunde sein Geschäft auf der Straße machte. Mal war es den Leuten peinlich, mal waren sie wegen des frechen Vogels außer sich. Arthurs Eltern machten sich nichts daraus  und nahmen ihn überall mit hin. Und Arthur war ein glücklicher, schnell  heranwachsender, kluger Papagei mit einem großen Wortschatz und manchmal war er sogar etwas vorwitzig.
 
Eines Morgens wurde das Ehepaar, also seine Eltern, nicht - wie sonst üblich - von seinem krächzenden "Guten Morgen, meine Faulpelze, rrraus aus den Federn" geweckt. Es war schon spät, als sie aufwachten. Arthur saß stumm auf dem Fenstersims, ließ die Flügel hängen, antwortete nicht, wollte kein Wasser und kein Futter und war gar nicht richtig ansprechbar. Sie bemerkten, dass ein Flügel ganz eigenartig steif war und gingen mit ihm zum Tierarzt. Der gab ihm eine Spritze, nach der Arthur ein paar Stunden schlief, und stellte eine langwierige, aber keinesfalls lebensbedrohliche Erkrankung fest. Der Vogel sollte nur regelmäßig die verordnete Medizin bekommen und nicht zu gefährliche Flüge unternehmen, denn er war auf der Straße schon einmal weit weggeflogen und von anderen Vögeln etwas gerupft worden.
Die sehr besorgten Eltern achteten fortan beide streng auf die Gesundheit des Vogels und wollten ihm soviel Gutes wie möglich angedeihen lassen. Sie warfen den alten Vogelbauer auf den Müll und kauften für Arthur einen goldenen Käfig. Er sollte es doch gut haben, wenn er schon so schrecklich krank war. Und sie bereiteten für ihn das beste Futter zu, waren ständig für ihn da, nahmen sich Zeit und wenn der Schlaumeier zu faul zum Fliegen war, sagte er mit leiser, gebrechlicher Stimme, wohin er wollte, und wurde dahin getragen.
Das war alles gar nicht schlecht, aber er sollte jetzt die meiste Zeit - aus Sicherheitsgründen - in seinem goldenen Käfig verbringen, und die Käfigtür wurde zugemacht.

Wie geht diese Geschichte weiter und wie endet sie?


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