Selbstkontrolle epileptischer Anfälle mit Hypnose
Selbstvertrauen ist gut,
Selbstkontrolle ist besser.
Bereits im Jahre 1967 wurde in den USA von Stein eine Studie zur Unterbrechung epileptischer Anfälle mit Hypnose veröffentlicht. Er nannte die dazu verwendete Methode "Technik der geballten Faust". Danach gab es noch mehrere Einzelfallveröffentlichungen, in denen Hypnose zur Mitbehandlung von Epilepsie erfolgreich eingesetzt wurde. Ich habe die Anwendung von Hypnose zur Selbstkontrolle von Anfällen lediglich wiederentdeckt und während der letzten 10 Jahre in einen verhaltenstherapeutisch orientierten Behandlungsansatz nach J. Dahl (1992) integriert, etwas verändert und erweitert.
Hypnose ist kein Ersatz für antiepileptische Medikamente. Sie ist keine alternative, sondern eine ergänzende Methode zu einer diagnosegeleiteten medikamentösen Behandlung. Ihr Einsatz ist dort indiziert, wo es um die psychischen, speziell um die emotionalen Anteile von Epilepsie geht, um psychische anfallsfördernde Faktoren.
Welche sind das hauptsächlich?
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Allein das Vorhandensein solcher anfallsfördernder Faktoren reicht aber für eine erfolgreiche Behandlung mit Hypnose nicht aus. Die Anfallserkrankung, deren Begleitumstände oder Folgen müssen in erster Linie ein Problem des Patienten sein und weniger seiner Angehörigen, Lehrer, Vorgesetzten oder gar seines Neurologen.
Hypnose kann auf 3 verschiedene Arten zur Selbstkontrolle von Anfällen eingesetzt werden:
- Im Sinne einer allgemeinen Anfallsprophylaxe in Form von entspannenden und Ich-stärkenden Suggestionen
- Zum Erarbeiten von Anfallsunterbrechungstechniken bei Anfällen mit Vorboten/Auren
- Zur Arbeit an psychischen anfallsfördernden Faktoren (s. o.). Hier geht es um Psychotherapie zur Bearbeitung tieferliegender Ursachen für die Anfälle.*)
Selbstkontrolle von Anfällen heißt
anfallsverhindernde Faktoren (bestimmte Orte, Personen, Tätigkeiten, Hobbies, aktive Erholung, innere Ausgeglichenheit, Selbstakzeptanz...) zu erkennen und zu nutzen sowie
anfallsbegünstigende Faktoren (vom Musikantenstadl über die böse Schwiegermutter bis zu eigenen festgefahrenen Ansichten und Überzeugungen) zu meiden, anders darüber zu denken oder anders als bisher damit umzugehen.
*) Wie man Anfalls-Selbstkontrolle auch betrachten kann
Viele Menschen verbinden mit einem epileptischen Anfall Begriffe wie Hinfallen, Unfall, Notfall, Ernstfall, Ausfall, Rückfall, Zufall...
Aber die Leute, die selbst Anfälle haben, die eigentlichen Anfallsexperten, wissen es besser. Ja, ein Anfall wirkt manchmal unberechenbar wie der Zufall, aber oft ist es gar kein Hinfallen, Unfall, Ernstfall, Notfall, Ausfall oder Rückfall, sondern für den Betroffenen der Normalfall, ein Kommen und Gehen, der Besuch eines alten Bekannten.
Es gibt zunehmend mehr Anfallskranke, die ihre Anfälle selbst kontrollieren.
Und wer seine Anfälle selbst kontrollieren kann, entwickelt mehr Selbstvertrauen. Da fragt man sich manchmal, ob das Selbstvertrauen Voraussetzung für Selbstkontrolle ist oder umgekehrt die Selbstkontrolle Voraussetzung für Selbstvertrauen oder ob Selbstkontrolle und Selbstvertrauen zwei Seiten einer Medaille sind.
Fakt ist: Selbstkontrolle von Anfällen erfordert viel Selbstbeobachtung und Übung. Da braucht der Anfallskranke, um durchzuhalten, viel Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, damit der Anfall für ihn seinen Schrecken als Zufall verliert und nur andere ihn mit Begriffen wie Notfall, Unfall, Ernstfall, Ausfall, Rückfall, Zufall verbinden.
Und wer mit dem nötigen Selbstvertrauen die Selbstkontrolle seiner Anfälle anstrebt, wird irgendwann den Anfall vielleicht als seinen Fall schätzen, auch wenn er sich eigentlich den Wegfall des Anfalls wünscht.
Aber wäre der Wegfall des Anfalls wirklich in allen Lebenslagen ein Glücksfall?
Es gibt Momente, wo das Selbstvertrauen trotz Selbstkontrolle seinen Weg in den Keller geht, da befürchtet man einen Reinfall und da ist der Anfall tatsächlich ein Glücksfall, vorausgesetzt es kommt zu keinem Unfall als Ernstfall oder Notfall. Das wäre dann kein Glücksfall, sondern wirklich ein Reinfall durch den Anfall.